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Geschichte des SFI
Die Anfänge des SFI
 Am 26. März 1922 wurde in der Landsgemeinde Davos der Beschluss über die Einrichtung eines "Instituts für Hochgebirgsphysiologie und Tuberkuloseforschung in Davos" gefasst. Untergebracht wurde das Institut in der Villa Silvana (heute Promenade 111, Davos Platz, Bild links). Als Aufsichtsbehörde fungierte der Grosse Landrat der Landschaft Davos. Zur Unterstützung des Stifungszweckes wurde ein wissenschaftlicher Beirat gebildet, der aus einer unbeschränkten Zahl von Forschern und Gelehrten bestand, die auf dem betreffenden wissenschaftlichen Gebiet hervorragende Leistung erbracht hatten. Erster Präsident war Dr. med. Florian Buol (1854-1924). Er war Landschaftsarzt in Davos und behandelte in dieser Funktion auch ausländische Patienten. Insbesondere kümmerte er sich um das Schicksal minderbemittelter Engländer und eröffnete 1912 das "Queen Alexandra Sanatorium", die heutige Thurgauisch-Schaffhausische Höhenklinik.
Medizinische Abteilung
Für die Forschung auf dem Gebiet der Höhenphysiologie konnte Prof. Dr. med. Loewy aus Berlin gewonnen werden. Er hatte bis dahin vor allem Untersuchungen zur Höhenphysiologie in den Alpen durchgeführt, so z.B. auf der Capanna Regina Margherita am Monte Rosa in 4660 m Höhe. In einer Gesamtbeurteilung kommt er zum Schluss: "Das Höhenklima stellt ein Reizklima im klinischen Sinne dar, es ist wohl das intensivste unter allen Klimaten. Spezifisch sind die Luftverdünnung und die Strahlungszunahme (hauptsächlich UV)." Einen Einfluss des Höhenklimas auf den Verlauf der Tuberkulose konnte er (auch im Tierversuch) nicht nachweisen, jedoch fand er, dass es zu einer Verbesserung gewisser Krankheitssymptome führte. Als Loewy aus gesundheitlichen Gründen 1933 zurücktrat war die finanzielle Lage der Stiftung unsicher und die Hoffnung der Davoser Ärzte, endlich ein Mittel gegen die Tuberkulose zu finden, hatte sich nicht erfüllt. Dazu kam, dass der 1924 erschienene Roman Der Zauberberg von Thomas Mann zu einer schweren Identitätskrise des Kurortes geführt hatte.
Trotz der schlechten finanziellen Basis des Instituts war der Wille ungebrochen, die Forschung auf dem Gebiet der Tuberkulose weiterzuführen. Unter dem Präsidenten Dr. med. Felix Oeri nahm 1933 PD Dr. med. Frédéric Roulet die wissenschaftliche Tätigkeit wieder auf. Er arbeitete unter anderem mit Konrad Bloch an der Chemie des Mycobacterium tuberculosis. Bloch ging später nach New York und Boston und wurde Nobelpreisträger für Medizin/Physiologie. Nachdem Roulet 1937 einem Ruf nach Basel folgte, übernahm der Pathologe Prof. Dr. med. Walter Berblinger, welcher aufgrund der eben in Deutschland eingeführten Rassengesetze in die Schweiz floh, die wissenschaftliche Arbeit. Das pathologische Institut wurde vom Kanton Graubünden als offizielle Untersuchungsstation für Tuberkulose anerkannt. Berblinger führte systematisch die Tuberkuloseautopsien durch, um wichtige Fragen im Ablauf der tuberkulösen Erkrankung beantworten zu können. Ende des zweiten Weltkriegs sahen sich Bund und Kanton verpflichtet, verstärkt gegen die deutlich zunehmende Tuberkulose vorzugehen. Damit gelang es dem SFI, die Villa Fontana zu kaufen, welche nach Um- und Anbau ein gut eingerichtetes pathologisches Institut mit Sektionssaal, grosser Bibliothek, Vortragssaal und reichlichen Laborräumen darstellte.
Durch die erfolgreiche Behandlung der Tuberkulose mittels Chemotherapie in den 50er Jahren verlor die Kurbehandlung im Höhenklima an Bedeutung und die Zahl der Tuberkulosekranken nahm ab. 1957 beschloss der Stiftungsrat die vorläufige Schliessung des Tuberkuloseinstituts. Der Direktor des Eidg. Instituts für Schnee- und Lawinenforschung Davos, Prof. Dr. sc. nat. Marcel de Quervain, übernahm das Präsidium des SFI, und kümmerte sich als Naturwissenschaftler um den Fortbestand des noch übriggebliebenen PMOD (siehe Abschnitt unten). Nach einer Phase der Neuorientierung wurde der Betrieb in der Villa Fontana 1959 durch Prof. Dr. med. Allgöwer wieder aufgenommen. Er befasste sich innerhalb der experimentellen Chirurgie mit Fragen zur Wundheilung, Verbrennungen und der Knochenbruchheilung. Nach der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Osteosynthese (AO) wurde Dr. med. Fleisch mit der Forschung des Kalziumstoffwechsels beauftragt. Später hat sich Dr. med. Perren den biomechanischen Problemen der Versorgung der Knochenbrüche mit Metallimplantaten und deren Gewebeverträglichkeit sowie dem Elektrounfall gewidmet. Diese sehr gross gewordene Forschergruppe wurde finanziell unabhängig und konnte 1992 ein eigenes Institut in Davos beziehen.
Nach Allgöwer wurde unter der Leitung von PD Dr. phil. nat. Ernst Sorkin an reiner Grundlagenforschung gearbeitet. Sorkin forschte u.a. auf dem Gebiet des Tumorwachstums und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Mit seinem Nachfolger Prof. Dr. med. Besedovsky ergaben sich jedoch Schwierigkeiten mit der Finanzierung des Instituts. Zudem kam der Stiftungsrat zu der Meinung, dass die Grundlagenforschung nicht an den Ort Davos gebunden sei und mit dem Krankengut in keinerlei Verbindung stehe. Es war jedoch klar, dass die Davoser Kliniken auf die Unterstützung der immunologischen Forschung angewiesen waren, um dem allergenarmen Klima eine solide wissenschaftliche Grundlage zu geben. Somit wurde beschlossen, dass nun gezielt Allergie- und Asthmaforschung betrieben werden sollte.
Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung
Um dem neuen Forschungsziel Ausdruck zu verleihen, wurde die medizinische Abteilung unter Leitung von PD Dr. phil. nat. Blaser in "Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF)" umgetauft. Mit der neuen Forschungsrichtung werden nun, wie zu den Anfangszeiten des SFI, wissenschaftliche Probleme erörtert, die ortsspezifisch für Davos sind. Der Standort des Institutes wird dadurch sinnvoll und seine periphere Lage unwesentlich. Durch den Einsatz des Stiftungsratspräsidenten Prof. Dr. med. Dr. hc. W. Siegenthaler konnte im April 1996 das SIAF einen den neuen Bedürfnissen angepassten Neubau beziehen.
Das Physikalisch-Meteorologische Observatorium
Eine wichtige Person für die Erforschung der Heilwirkung des Hochgebirgsklimas war Prof. Dr. Carl Dorno (1865-1942). Er kam 1904 mit seiner tuberkulosekranken Tochter nach Davos und ging wissenschaftlich der Frage nach, welche Faktoren für die angepriesene Heilkraft des Höhenkurortes verantwortlich sein könnten. Im Jahr 1907 eröffnete er mit eigenen Mitteln das Physikalisch Meteorologische Observatorium in der Villa Dora (heute Oberwiesstrasse 4, Davos Platz, Bild links). Mit der Publikation Studie über Licht und Luft des Hochgebirges, 1911, erregte Dorno höchstes Aufsehen und wurde zum Begründer der Strahlungsklimatologie. Die Ursache für die Heilwirkung des Hochgebirgsklimas sah Dorno in der Kombination von stimulierenden Einflüssen zur Erstarkung des kranken Körpers und in Schonfaktoren, die den Körper vor zu starken klimatischen Ansprüchen und Erkältungsgefahr bewahren. Einen spezifischen Heilfaktor des Hochgebirgsklimas für die Tuberkulose und andere Krankheiten konnte er allerdings nicht finden. Aufgrund  seiner Arbeit war Davos damals der am besten untersuchte Klimakurort Europas. Zudem hat er Arbeiten über drei besonders wichtige Klimatypen, das alpine Höhenklima zwischen 1500 und 2500 m, das extrem trockene Wüstenklima und das reizmilde Sonnenklima am Südhang der Alpen veröffentlicht. Diese bleiben Musterbeispiele bioklimatischer Untersuchungen. Nach dem ersten Weltkrieg schrumpfte wegen der Inflation in Deutschland Dornos Vermögen und er musste sein Institut an die eben gegründete Stiftung SFI anlehnen. Bei seinem Rücktritt 1926 ging dann das Observatorium vollständig als Physikalisch-Meteorologisches Observatorium Davos (PMOD) in der Stiftung auf.
Nach Dorno übernahm Dr. F. Lindholm, schwedischer Staatsmeteorologe, für kurze Zeit die Leitung des PMOD und nach ihm für 37 Jahre (1929-1966) Dr. phil. Walter Mörikofer aus Basel. Durch jahrelange Vergleichsmessungen mit verschiedenen Strahlungsinstrumenten schuf Mörikofer die Grundlage dafür, dass 1957/58 die weltweit rund 600 Strahlungsmessstationen erstmals nach einheitlichen Vorschriften ihre Messungen durchführten. Nachdem 1959 und 1964 am Observatorium internationale Vergleichsmessungen der verschiedenen Standard-Strahlungsmessinstrumente erfolgreich durchgeführt wurden, schlug Mörikofer den Mitgliedern der Meteorologischen Weltorganisation (WMO) vor, das Observatorium Davos als Eichzentrale für die Strahlungsmessinstrumente einzusetzen. Mörikofer erbrachte auch auf dem Gebiet der praktischen Kurortklimatologie der Schweiz eine grosse Leistung. Es gelang ihm, die Kurorte in verschiedene Klimareizstufen einzuordnen und damit eine Klärung in das Angebot der Klimakurorte zu bringen. Zudem fanden die Konstruktion und der Bau neuer Messinstrumente weltweit Verwendung und hohe Anerkennung. Nach Mörikofer leitete Dr. phil. nat. Emil Flach das PMOD und beschäftigte sich mit bioklimatischen Fragen.
Gründung des Weltstrahlungszentrums
Mit der Planung einer internationalen Eichzentrale wurde 1964 unter Mörikofer begonnen. Am 1. Januar 1971 konnte das Weltstrahlungszentrum (World Radiation Center, WRC) seinen vorerst eingeschränkten Betrieb im Observatorium aufnehmen. Die Landschaft Davos stellte dem PMOD/WRC das alte Schulhaus Davos Dorf zur Verfügung, nachdem die alten Räumlichkeiten nicht mehr zweckmässig waren. Dr. sc. nat. Claus Fröhlich wurde 1971 zum Leiter des WRC gewählt, und übernahm 1974 die Gesamtleitung des PMOD/WRC. Aus umfangreichen, am WRC durchgeführten Vergleichen von Absolutradiometern verschiedenster Herkunft folgte 1984 die Definition der World Radiometric Reference, die seither durch eine Standardgruppe von Radiometern realisiert wird. Die bis 2001 insgesamt elf internationalen Pyrheliometervergleiche stehen für die erfolgreiche Etablierung des WRC.
Die Stiftungspräsidenten des SFI
| Präsident |
Amtszeit |
| Dr. med. F. Buol |
1922-1924 † |
| Dr. med. G. Michel |
1924-1933 † |
| Dr. med. F. Oeri |
1933-1941 † |
| Dr. med. H. Stöcklin |
1942-1952 † |
| Prof. Dr. med. H. Wissler |
1952-1957 † |
| Prof. Dr. sc. nat. M.de Quervain |
1957-1960 |
| Dr. med. F. Suter |
1960-1992 † |
| Prof. Dr. med. Dr. h.c. W. Siegenthaler |
1992-2004 |
| Dr. W. Ammann |
seit 2004 |
Quelle: 75
Jahre Schweizerisches Forschungsinstitut für Hochgebirgsklima
und Medizin,
F. Suter (K. Blaser, C. Fröhlich, Red.)
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